Gemessen daran, wie unsere Umgebung aussehen könnte, ist vielen Orten die Qualität abhanden gekommen. Die Zerstörung wertvoller Siedlungen und Landschaften, die Zersiedelung, die Flächenverschwendung, die Banalisierung, Mass- und Gesichtslosigkeit der Agglomerationen werden vielerorts kritisiert, sind jedoch Ausdruck eines gesellschaftlichen Konsenses. Raumentwicklung dient oft nur noch der Interessenabgrenzung, bei der unter dem Strich das auf der Strecke bleibt, was Orte lebenswert macht. Gleichzeitig sind die grandiosesten, oft historisch gewachsenen Orte und Städte, die wir kennen, aus Sicht der heutigen Baugesetze illegal.
Wir wollen Anliegen, Kritik und Ideen, welche dem Menschen zugute kommen, in Prozesse und Verfahren einbringen: Revisionen von Baugesetzen, Bauordnungen, Zonenplänen, Erarbeitung von Richtplänen, ISOS-Massnahmenplänen, Stadtreparaturen, Workshop- und Qualitätssicherungsverfahren, Infrastruktur- und Impulsprogrammen, Diskussionen auf der Bild-, Plan- und Verfahrensebene.
Deshalb erarbeitet das Forum Raumordnung Schweiz konkrete Projekte für Gemeinden, Kantone, Korporationen und andere Bauträger. Dabei entwickelt es neue Lösungsansätze, deren Messlatte beim Mehrwert für das Gemeinwohl, bei der Qualität des Raumes, bei einer hohen Baukultur und bei der Zukunftsfähigkeit von planerischen und baulichen Weichenstellungen liegt.
Konkrete Projekte – neue Denkräume
Raumentwicklung dient oft nur noch der Interessenabgrenzung, bei der unter dem Strich das auf der Strecke bleibt, was Orte lebenswert macht. Gleichzeitig sind die grandiosesten, oft historisch gewachsenen Orte und Städte, die wir kennen, aus Sicht der heutigen Baugesetze illegal.
Das Forum Raumordnung Schweiz will eine Sammlung von Beispielen zusammentragen, anhand derer die Frage nach dem, was unsere unmittelbare Lebensumgebung wertvoll macht, neu verhandelt und bewertet werden kann. Sie soll uns ermöglichen, Konventionen zu hinterfragen, neue Bedürfnisse besser zu verstehen, neue Denkräume zu erschliessen. Daraus erhoffen wir uns positive Impulse auf die Instrumente der Raumordnung, Mitsprache- und Mitgestaltungsmöglichkeiten. Wir richten uns damit nicht nur an Fachleute und PlanerInnen, sondern vor allem an Gemeinden, politische Körperschaften, an Bauwillige und alle Interessierten. Dabei sehen wir die Möglichkeit, Anliegen, Kritik und Ideen, welche dem Menschen zugute kommen, in Prozesse und Verfahren einzubringen: Revisionen von Baugesetzen, Bauordnungen, Zonenplänen, Erarbeitung von Richtplänen, ISOS-Massnahmenplänen, Stadtreparaturen, Workshop- und Qualitätssicherungsverfahren, Infrastruktur- und Impulsprogrammen, Diskussionen auf der Bild-, Plan- und Verfahrensebene.
Suhr. Pilot- und Forschungsprojekt 2023-25
Das Forum Raumordnung Schweiz entwickelte durch die Vermittlung des Kantons Aargau und mit Unterstützung des Bundesamts für Kultur, des Bunds Schweizer Architektinnen und Architekten und der Gemeinde Suhr eine räumliche Vorstellung für die Zukunft der Kleinstadt Suhr. Die Aufgabe besteht darin, Vorstellungen für das Leben in Suhr in rund hundert Jahren zu erarbeiten.
Sich Suhr in 100 Jahren vorzustellen: eine Stadt, welche die Hälfte der heutigen Fläche in Anspruch nimmt, wo elementare Dinge des Lebens ihren Platz finden, reiche Beziehungen entstehen und die Grundwerte für ein vitales Zusammensein in einer Satzung festgehalten sind, dies erfordert die Kraft der Vorstellung. Die imaginative Arbeit führt zu Mustern, über die in einem Stadtmodell im Massstab 1:500 unterschiedliche Improvisationen möglich werden. Jede Improvisation steht für ein eigenes Habitat mit öffentlichen Räumen, Brunnen, Infrastrukturen, Gebäuden, Lebensvorstellungen, aber auch privaten Rückzugsmöglichkeiten. Diese Habitate leben von Allianzen unterschiedlicher Art und vermitteln Geborgenheit. In einer neuartigen Notation werden die wesentlichen Merkmale im Sinne einer Komposition festgehalten. Sie wird durch die künftig handelnden Menschen interpretiert, wobei Interpretation immer Austausch, Kritik und Schöpfung zugleich ist.
Erste Entwurfsskizze für einen kompakten Stadtkörper von Suhr mit grosszügigem Grüngürtel
Die grosse Idee
In einer räumlichen Satzung für Suhr werden zentrale Merkmale des künftigen Orts in zehn Punkten festgehalten. Es zeigt sich, dass das Paradigma der Planung, so wie es heute gelebt wird, solche Prozesse nicht auszulösen vermag.
Das Forum Raumordnung Schweiz beabsichtigt deshalb, die Erkenntnisse aus diesem Pilot- und Forschungsprojekt im Rahmen einer Wanderschaft in andere Schweizer Städte zu verbreiten und in einer Debatte weiterzuentwickeln und nach konkreten Lösungen zu suchen.
Beiträge dazu:
4. März 2026
Bau
Suhr. Im Modell neue Muster des Ortes erkennen
Die Arbeiten des Forums Raumordnung Schweiz zeichnen sich dadurch aus, dass der Fokus auf einer sehr konkreten, direkt erfahrbaren Ebene liegt. So war es im Pilot- und Forschungsprojekt für Suhr naheliegend, ein Modell vorzuschlagen, in dem der Wandel ganz direkt sichtbar wird.
Wenn wir keine Bilder haben, die unsere eigene Phantasie und Vorstellungskraft anregen, fällt es uns meist schwer, Veränderungen für möglich zu halten oder sie gar freudig zu begrüssen.
"Orte" gehören wie der "Raum" oder die "Geschichte" zu den elementaren Dingen des architektonischen Denkens. Sie sind Träger der Identität - einer faktischen und symbolischen Einzigartigkeit, mehr noch: quasi beseelte Akteure im Raum, wie der vielzitierte Begriff "Genius Loci" nahelegt. Für das Projekt in Suhr genoss das Forum Raumordnung Schweiz das Privileg, in einem zwar etwas vergessenen, für Suhr dennoch wichtigen Bau Räume nutzen zu dürfen. Das Büro der inneren Unruhe an der Tramstrasse 7 hat als Arbeits-, Diskussions- und Ausstellungsort, ja sogar als Forschungsgegenstand wertvolle Dienste geleistet und den Verlauf des Projekts im besten Sinn des Wortes geprägt.
An schönen Orten kommen die unterschiedlichsten Atmosphären zusammen. Unsere Erfahrung zeigt, dass man auch vom Einzelnen her beginnen kann und so das grosse Ganze ins Auge bekommt. Die kleinen Ideen sind gleichbedeutend und bergen die Chance, im Dialog einen Austausch zu finden.
Beiträge dazu:
4. März 2026
Bau
Suhr. Lehrstücke des Stadtkörpers
Wie kann Orts- und Städtebau gelernt, wie können die Grundlagen des Fachs erworben werden? Mit empirischem und historischem Studium der besten gebauten Beispiele, mit theoretischer Auseinandersetzung oder "by doing"? Joël Rubinig hat alles zusammen gebracht! Zur Vorbereitung auf den Bau des grossen Modells für Suhr entwarf er übungshalber ein Set von städtebaulichen Grundtypen und fiktiven Situationen. Die Resultate sind zu einer faszinierenden Beispielsammlung über Massstab, Beziehungen, Proportionen und Elemente an der Schnittstelle zwischen Haus und Freiraum geworden.
Dem Forum Raumordnung Schweiz geht es nicht um irgendwelche partikulären Interessen, Raumordnung bedient nicht vorrangig die Nutzungsrechte an Parzellen, sondern es geht um ein Ganzes, um Orte, die wir unser Zuhause nennen. Damit diese Orte uns erfreuen, braucht es gute Atmosphären.
Die Suche nach den kleinen Schönheiten und schönen Orten Suhrs ist zu einer Performance der Aneignung geworden. Das Resultat führt vor, dass manch vermeintlich Hässliches und Banales poetische Tiefe in sich trägt.
An wie vielen Tischen nehmen wir täglich platz? Wie haben sie ausgesehen? Waren sie bequem, praktisch, ausreichend gross, oder hatten sie gar besondere Eigenschaften? Im Büro der inneren Unruhe steht ein Tisch, an den sich alle Besucher*innen erinnern und der in ihrer Erinnerung unauflöslich mit dem Forschungsprojekt verbunden ist.
Vielgestaltig sind die Taten im Einzelnen. Echte Taten kommen leise daher, oft ist es ein Zuhören.
Beiträge dazu:
4. März 2026
Kultur
Suhr. Projektabschluss
Nach zweieinhalb Jahren intensiver Arbeit im kleinen Rahmen fand das Pilot- und Forschungsprojekt für Suhr Ende 2025 seinen Abschluss. Eine Phase einer breiten Diskussion folgt jetzt. Verschiedenste Personen und Institutionen haben bereits ihr Interesse bekundet.
Das Pilot- und Forschungsprojekt zu Suhr war das zweite grosse Engagement des Forums Raumordnung Schweiz. Diesmal ging es darum, Szenarien zur nachhaltigen Entwicklung einer grossen Agglomerationsgemeinde im Zeithorizont des nächsten Jahrhunderts zu entwerfen und zu studieren. Der Schlussbericht, in dem die dabei erarbeiteten Grundlagen und Themen dokumentiert worden sind, ist zu einem Katalog neuer ortsplanerischer und städtebaulicher Ansätze geworden.
Am Samstag 14. März 2026 zeigt das Forum Raumordnung Schweiz die Arbeiten des Pilot- und Forschungsprojekts für Suhr, die eine räumliche Vorstellung für die Entfaltung des Dorfes in den nächsten 100 Jahren umfassen.
Ort: Tramstrasse 7, 5034 Suhr
Zeit: 09.30 bis 17.00 Uhr
Das Pilot- und Forschungsprojekt zu Suhr war das zweite grosse Engagement des Forums Raumordnung Schweiz. Diesmal ging es darum, Szenarien zur nachhaltigen Entwicklung einer grossen Agglomerationsgemeinde im Zeithorizont des nächsten Jahrhunderts zu entwerfen und zu studieren. Der Schlussbericht, in dem die dabei erarbeiteten Grundlagen und Themen dokumentiert worden sind, ist zu einem Katalog neuer ortsplanerischer und städtebaulicher Ansätze und Prioritäten geworden.
Berlingen. Ortsbaulicher Entwurf zu einem Ortsbild von nationaler Bedeutung 2022 -
Das erste grosse Projekt des Forums Raumordnung Schweiz zeigt, wie die denkmalpflegerische Quadratur des Zirkels zwischen Erhalt und Weiterentwicklung inmitten eines denkmalwürdigen Kontextes gelöst werden kann: mit einem ortsbaulichen Entwurf.
Berlingen am Untersee ist ein Dorf mit kleinstädtischen Qualitäten. Im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz ISOS ist es als von nationaler Bedeutung eingestuft. 2022 kämpfte die Gemeinde anlässlich einer Ortsplanungsrevision mit dem Problem, dieser Einstufung mit herkömmlichen raumplanerischen Mitteln gerecht zu werden (das Problem beschäftigt viele Gemeinden der Schweiz). Sie kontaktierte deshalb das Forum Raumordnung Schweiz, nachdem sie die Publikation «Orte für Menschen» erhalten hatte.
Das dabei ausgelöste Projekt war Grundlagenforschung und methodische Recherche an einem konkreten Objekt: Der Bestand wurde analysiert, Strategien wurden mit Positionsbezügen von Expert*innen für Architektur, Städtebau, Kunst und Biodiversität ausgelotet, Workshops wurden durchgeführt, ein Privatsponsor ermöglichte ein Modell, an welchem ein ortsplanerischer Entwurf erarbeitet wurde. Das fürs ISOS verantwortliche Bundesamt für Kultur, die kantonale Denkmalpflege und immer wieder die Gemeinde leisteten Unterstützung.
Dabei wurden neue Denkansätze getestet und umgesetzt: Ein Planungsverständnis, das nicht von den Parzellengrenzen, sondern vom Bestand an Volumen und Freiräumen ausgeht. Ein Set von baulichen Interventionsmöglichkeiten, das auf alle, nicht nur die denkmalpflegerisch erfassten Bauten sowie die Qualität des Freiraums zugeschnitten ist. Die Neuinterpretation und Reparatur von beschädigten oder entwicklungsbedürftigen Situationen. Das Resultat wurde in einen Katalog von Bauvorschriften gegossen, welche nun in die Nutzungsplanung der Gemeinde eingearbeitet werden.
Das Projekt wurde in verschiedenen Pressebeiträgen und zuletzt anlässlich einer Gemeindeversammlung mit grossem Interesse aufgenommen – nicht zuletzt, weil es innerhalb des ISOS-Perimeters gelungen ist, beträchtliche bauliche Entwicklungsmöglichkeiten aufzuzeigen.