Suhr. Das Büro der inneren Unruhe
Als das Forum Raumordnung Schweiz einen Raum suchte, an dem es arbeiten und die Resultate seiner Arbeit zur Diskussion stellen kann, wurde ihm eine Zwischennutzung in der Abbruchliegenschaft an der Tramstrasse 7 angeboten. Das Haus war vor 1925 an ein bestehendes Gewerbehaus angebaut worden, beide gegen die Jahrhundertmitte aufgestockt und überformt, zuletzt als Ärztezentrum genutzt. Das modernistische Gebäude hat fast seit den Anfängen der Wynentalbahn Suhrs Wachstum und den zunehmenden Verkehr auf der Tramstrasse miterlebt. Es erzählt von der Zeit, als Suhr aufbrach, ein Zentrum der schweizerischen Gewerbe- und Industrielandschaft zu werden. Es war für Generationen ein nicht wegzudenkender Teil Suhrs.
Die freitragende Struktur mit beidseitigen grosszügigen Fensterfronten bot ideale Bedingungen, um im Hochparterre geeignete Räume freizuspielen und zu möblieren. Hier entstand der grosse Raum für das Modell, wurden Pläne und Druckfahnen aufgehängt, Skulpturen aufgestellt, haben Workshops und Führungen stattgefunden, wurde gekocht, gegessen und getrunken, diskutiert. Mit dem Raum haben wir uns auch Suhr angeeignet. Den Namen «Büro der inneren Unruhe» hatten wir mitgebracht – bis heute steht er in einem spannungsvollen, auch ironischen Verhältnis zu diesen Räumen, die mit ihrer Zentralität, Grosszügigkeit und Selbstverständlichkeit zur Heimat unseres Projektes wurden.
Als wären unsere Ideen für Suhr im Kleinen in Erfüllung gegangen, fand gleichzeitig ein Architekturwettbewerb für den neuen Hauptsitz der F. G. Pfister-Stiftung statt. Dabei haben mehrere Wettbewerbsbeiträge, auch der erstprämierte, vorgeschlagen, das bestehende Haus zu erhalten und zu erweitern, damit nicht nur die Erinnerung an die Geschichte Suhrs zu pflegen, sondern auch einen zeitgemässen Beitrag zur Nachhaltigkeit und Co2-Reduktion zu leisten.