Berlingen. Neue Methode für eine zukunftsfähige Entwicklung
Es ist eine bekannte Herausforderung für viele Schweizer Gemeinden: die zukunftsfähige Ortsentwicklung dort, wo historische Kerne im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) erfasst sind.
So scheiterten auch in der Thurgauer Gemeinde Berlingen wiederholt Bauvorhaben an der fehlenden Abstimmung zwischen Inventar und Planung. 2023 entschied sich die Gemeinde für einen Methodenwechsel: Angestossen durch die Publikation «Orte für Menschen» des Forums Raumordnung Schweiz pausierte man die klassische Zonenplanung.
Stattdessen setzte man auf «räumliche Zukunftsbilder», wie Rahel Lämmler in einem aktuellen Bericht für das Architektur Forum Ostschweiz schreibt. Interdisziplinäre Teams aus Architektur, Baugeschichte, Agrarökologie, Kunst und Landschaftsarchitektur fokussierten dabei insbesondere auf identitätsstiftende «Elemente wie vielfältige Freiräume, Durchblicke und Durchwegungen sowie Strassenräume mit öffentlichen Nutzungen». Diese leisten neben den historischen Bauten einen zentralen Beitrag zum Ortsbild.
Auch Gemeindepräsident und Bauingenieur Ueli Oswald kommt im Artikel zu Wort. Er betont, «dass sich mit diesem Instrument neue Chancen ergeben haben», und hält fest, dass der Prozess seine ursprünglich skeptische Haltung verändert habe.
«Substanzerhalt und Weiterbauen erweisen sich nicht als Widerspruch, sondern als aufeinander abgestimmte Strategien zur Sicherung und Fortführung der räumlichen Identität eines Ortes. Die vielschichtige Vision zeigt auf, wie sich das Dorf über Jahrzehnte entwickeln kann.» – Rahel Lämmler, Architektur Forum Ostschweiz