Berlingen. Einleitung
Berlingen am Untersee ist ein Dorf mit kleinstädtischen Qualitäten. Im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz ISOS ist es als von nationaler Bedeutung eingestuft. 2022 kämpfte die Gemeinde anlässlich einer Ortsplanungsrevision mit dem Problem, dieser Einstufung mit herkömmlichen raumplanerischen Mitteln gerecht zu werden (das Problem beschäftigt viele Gemeinden der Schweiz). Sie kontaktierte uns deshalb, nachdem sie unsere Publikation «Orte für Menschen» erhalten hatte.
Das dabei ausgelöste Projekt war Grundlagenforschung und methodische Recherche an einem konkreten Objekt: Der Bestand wurde analysiert, Strategien wurden mit «Positionsbezügen» von Expert*innen für Architektur, Städtebau, Kunst und Biodiversität ausgelotet, Workshops wurden durchgeführt, ein Privatsponsor ermöglichte ein Modell, an welchem ein ortsplanerischer Entwurf erarbeitet wurde. Das fürs ISOS verantwortliche Bundesamt für Kultur, die kantonale Denkmalpflege und immer wieder die Gemeinde leisteten Unterstützung.
Dabei wurden neue Denkansätze getestet und umgesetzt: Ein Planungsverständnis, das nicht von den Parzellengrenzen, sondern vom Bestand an Volumen und Freiräumen ausgeht. Ein Set von baulichen Interventionsmöglichkeiten, das auf alle, nicht nur die denkmalpflegerisch erfassten Bauten sowie die Qualität des Freiraums zugeschnitten ist. Die Neuinterpretation und Reparatur von beschädigten oder entwicklungsbedürftigen Situationen. Das Resultat wurde in einen Katalog von Bauvorschriften gegossen, welche nun in die Nutzungsplanung der Gemeinde eingearbeitet werden.
Das Projekt wurde in verschiedenen Pressebeiträgen und zuletzt anlässlich einer Gemeindeversammlung mit grossem Interesse aufgenommen – nicht zuletzt, weil es innerhalb des ISOS-Perimeters gelungen ist, beträchtliche bauliche Entwicklungsmöglichkeiten aufzuzeigen.